Im November 2026 wird das DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zum Treffpunkt für den Austausch über Open Educational Resources (OER) und Open Educational Practices (OEP). Den Auftakt macht am 17.11.2026 die KNOER-Tagung mit dem Fokus auf „Offene Bildungsinfrastrukturen als Fundament demokratischer Bildung“. Am 18.11.2026 folgt der 3. OERinfo-Fachtag, zu dem das OERinfo-Team unter dem Thema „OER neu erzählen – pädagogische Perspektiven stärken“ einlädt.
Save The Date OERinfo-Fachtag 2026. Grafik: Angela Karnoll via Canva, Canva-Lizenz auf der Webseite von OERinfo.
KNOER-Tagung am 17.11.2026
Offene Bildungsinfrastrukturen bilden die Grundlage für eine unabhängige, nachhaltige und demokratische Hochschullehre. Mit dem rasanten Aufkommen generativer Künstlicher Intelligenz und der zunehmenden Abhängigkeit von proprietären Plattformen und Cloud-Diensten rückt die Frage stärker in den Fokus, wie Bildungsinfrastrukturen gestaltet, finanziert und kontrolliert werden sollten. Dabei geht es nicht nur um Offene Bildungsressourcen (OER), sondern um das Zusammenspiel von Inhalten, Werkzeugen und technischen Infrastrukturen, die den Zugang zu Bildung und Wissen ermöglichen.
Im Rahmen der KNOER-Jahrestagung 2026, die am 17.11.2026 im DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt stattfindet, möchten wir gemeinsam diskutieren, wie offene Bildungsinfrastrukturen als öffentliches Gut gestärkt und zukunftsfähig gestaltet werden können. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach digitalen Souveränität, demokratischer Gestaltung, nachhaltigen Organisations- und Finanzierungsmodellen sowie dem verantwortungsvollen Einsatz neuer Technologien. In interaktiven Formaten bietet die Tagung Raum für Austausch, Vernetzung und die Entwicklung gemeinsamer Perspektiven auf die Zukunft offener Hochschulbildung.
Seit nun 10 Jahren fördert die Bundesregierung Open Educational Resources (OER) durch bundesweite Fördermaßnahmen und darunter laufende Projekte wie OERinfo, um offene Bildungsressourcen in die Bildungspraxis zu transportieren. Aktuell werden unter der lernenden OER-Strategie des Bundes neben offenen Bildungsmaterialien auch die damit in Verbindung stehenden offenen Bildungspraktiken, sogenannte Open Educational Practices (OEP) aufgegriffen und thematisiert.
Dabei wird deutlich: Open Educational Resources sind mehr als eine Frage der Lizenzierung. Die Bildungspraxis stellt sich daher zunehmend die Frage: “Wie können wir die Narrative um OER so weiterentwickeln, dass sie Lernende, Lehrende und strukturelle sowie bildungspolitische Akteure gleichermaßen ansprechen? Und welche pädagogischen Potenziale offener Bildungspraktiken bleiben bisher ungenutzt? Diese Fragen möchte OERinfo in seinem OERinfo-Fachtag 2026 aufgreifen, um gemeinsam mit Ihnen Antworten darauf zu entwickeln.
Wer über Künstliche Intelligenz (KI) und Open Educational Resources (OER) spricht, denkt häufig zuerst an textgenerative KI oder die automatisierte Erstellung von Lehrmaterialien. Tatsächlich konzentrieren sich viele aktuelle Diskussionen auf Fragen der Materialproduktion, Übersetzung oder Anpassung offener Bildungsressourcen. Ein Blick in die aktuelle wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche Literatur zeigt jedoch ein deutlich breiteres Bild. KI eröffnet nicht nur neue Möglichkeiten für die Erstellung, Anpassung und Weiterentwicklung offener Bildungsmaterialien, sondern verändert zunehmend auch Bildungspraktiken, Communities und das Verständnis von Offenheit selbst. Der Diskurs reicht inzwischen von der KI-gestützten Qualitätssicherung und Personalisierung über neue Formen kollaborativer Wissensproduktion bis hin zu Fragen der digitalen Souveränität und offener Bildungsinfrastrukturen.
Mehr als intelligente Materialerstellung
Die Möglichkeiten der KI-gestützten Erstellung und Weiterentwicklung von OER gehören zu den sichtbarsten Entwicklungen der vergangenen Jahre. Lehrmaterialien lassen sich schneller erstellen, sprachlich anpassen oder in unterschiedliche Formate überführen. KI kann offene Ressourcen verschlagworten, übersetzen, barriereärmer gestalten oder individuelle Lernpfade unterstützen. Diese Potenziale prägen derzeit viele Diskussionen rund um OER und KI. Wer jedoch einen Blick in aktuelle Veröffentlichungen aus Forschung und Praxis wirft, erkennt schnell: Die Materialerstellung ist nur ein Teil der Entwicklung. In verschiedenen Diskursfeldern werden Fragen nach Qualität, Transparenz, Urheberrecht, Nachhaltigkeit und digitaler Souveränität gestellt. Die Debatte hat sich damit deutlich verbreitert.
Diskursfelder aus aktuellen Veröffentlichungen zum Zusammenhang von OER und KI.
Von offenen Materialien zu einer neuen Kultur offener Bildung
Besonders auffällig ist eine Entwicklung, die sich durch zahlreiche aktuelle Veröffentlichungen zieht: Der Fokus verschiebt sich von offenen Bildungsressourcen hin zu offenen Bildungspraktiken (Open Educational Practices, OEP). Im Mittelpunkt steht nicht mehr allein die Frage, welche Materialien offen zur Verfügung stehen, sondern wie mit ihnen gelernt, gelehrt und Wissen gemeinsam entwickelt wird. Dadurch verändern sich auch die Rollen der Beteiligten. Lehrende werden stärker zu Moderator:innen, Lernbegleiter:innen und Kurator:innen. Lernende übernehmen zunehmend eine aktive Rolle und beteiligen sich selbst an der Produktion offenen Wissens. KI kann die Prozesse einer gemeinschaftlichen Entwicklung offener Bildungsressourcen unterstützen – etwa bei Recherche, Strukturierung oder Formulierung –, ersetzt jedoch nicht die kollaborative Wissensproduktion. Gerade diese Verbindung von KI und gemeinschaftlichem Lernen eröffnet neue Perspektiven für Offene Bildung.
Konkret zeigt sich dieser Wandel auf mehreren Ebenen. Offene Bildungspraktiken erweitern den Blick von der Bereitstellung einzelner Materialien hin zu ihrer aktiven Nutzung, Anpassung und gemeinsamen Weiterentwicklung. Offenheit wird damit zunehmend über Zusammenarbeit, Partizipation und den gemeinsamen Aufbau von Wissen definiert. Gleichzeitig eröffnet KI neue Formen der Wissensproduktion. Lehrende und Lernende können Inhalte gemeinsam mit KI entwickeln, bestehende OER an unterschiedliche Zielgruppen anpassen, Übersetzungen erstellen oder Materialien für verschiedene Lernniveaus und Kontexte weiterentwickeln. KI übernimmt dabei nicht die Rolle einer Autorin oder eines Autors, sondern fungiert als Werkzeug oder Co-Creator, der kreative und kollaborative Prozesse unterstützt. Dadurch verändern sich auch die Rollen in offenen Bildungsprozessen. Lernende werden stärker zu aktiven Mitgestalter:innen offenen Wissens – etwa indem sie OER gemeinsam erstellen und weiterentwickeln. Lehrende begleiten diese Prozesse, moderieren Zusammenarbeit und unterstützen einen reflektierten Einsatz von KI.
Offenheit neu denken
Mit der Verbreitung generativer KI verändert sich auch das Verständnis von Offenheit. Während sich die OER-Bewegung lange auf offene Lizenzen und frei verfügbare Materialien konzentrierte, rücken heute zunehmend die Technologien selbst in den Blick. Wie offen sind KI-Modelle? Welche Trainingsdaten werden genutzt? Wer kontrolliert die zugrunde liegenden Infrastrukturen? Und welche Rolle spielen digitale Gemeingüter für die Bildung der Zukunft? Damit entwickelt sich die Diskussion von einer Frage nach offenen Ressourcen hin zu einer Frage nach offenen Bildungsökosystemen.
Die aktuelle Literatur macht deutlich, wie dynamisch sich das Themenfeld entwickelt. Neben einer wachsenden Zahl an wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Veröffentlichungen entstehen fortlaufend neue Praxisprojekte, Leitfäden, Werkzeuge, Veranstaltungen und technische Entwicklungen. Dadurch wird das Zusammenspiel von OER, OEP und KI zwar immer vielfältiger, gleichzeitig aber auch zunehmend unübersichtlich. Orientierung wird damit selbst zu einer wichtigen Aufgabe. Sie hilft dabei, Potenziale und Herausforderungen einzuordnen, Entwicklungen kritisch zu reflektieren und unterschiedliche Perspektiven aus Forschung und Praxis zusammenzuführen.
Als Reaktion auf diese Dynamik hat ORCA.nrw die Themenwelt „OER & KI“ entwickelt. Sie bietet einen strukturierten Überblick über zentrale Praxis- und Diskussionsfelder an der Schnittstelle von OER, OEP und KI. Einer der Schwerpunkte liegt auf einer kuratierten Zusammenstellung aktueller wissenschaftlicher und nicht-wissenschaftlicher Veröffentlichungen zum Thema. Darüber hinaus werden anhand zentraler Themenbereiche Praxisbeispiele, weiterführende Materialien sowie Hinweise auf Werkzeuge und Ressourcen zusammengestellt. Die Themenwelt versteht sich als offenes und sich kontinuierlich weiterentwickelndes Angebot, das Orientierung im wachsenden OER-&-KI-Diskurs bietet und den Einstieg in das Themenfeld erleichtert.
„Die Diskussion um KI und OER ist längst mehr als eine Diskussion über Materialien.“
Fazit
Die aktuelle Literatur macht deutlich: Die Diskussion um KI und OER ist längst mehr als eine Diskussion über Materialien. Sie berührt Fragen der Zusammenarbeit, der Rollen von Lehrenden und Lernenden, der Offenheit von Technologien sowie der Gestaltung zukünftiger Bildungsökosysteme.
Wer heute über KI und OER spricht, spricht deshalb zunehmend über die Zukunft offener Bildung insgesamt – und darüber, wie Offenheit im Zeitalter generativer KI neu gestaltet werden kann.
Möchten Sie mehr erfahren? Die Themenwelt „OER & KI“ finden Sie auf der Webseite des Landesportals ORCA.nrw. Als zentrale Service- und Vernetzungsplattform für digital gestütztes Lehren und Lernen an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen gewährleistet ORCA.nrw den Zugang zu zahlreichen frei lizenzierte Lehr- und Lernmaterialien, Informationsangeboten sowie Unterstützungs- und Qualifizierungsangeboten für Studierende und Lehrende. Darüber hinaus informiert das Portal über aktuelle Aktivitäten, Projekte und Veranstaltungen rund um OER und digitale Hochschulbildung in NRW.
Über den Verfasser Daniel Diekmann ist Mitarbeiter in der Geschäftsstelle des Landesportals ORCA.nrw und in den Bereichen Community, Vernetzung und Veranstaltungen tätig.
Unter dem Motto „Welcome to the Jungle“ hat am 28. und 29. April 2026 in Köln die Statuskonferenz „OER im Blick“ stattgefunden. Im Mittelpunkt der Veranstaltung rund um die OER-Strategie standen Austausch und Vernetzung zu aktuellen Themen und Einblicke in die Projekte im Rahmen der OER-Strategie. Auch das KNOER und seine Mitgliedseinrichtungen waren in zahlreichen Formaten vertreten:
Workshop: „Lessons learned“
Im interaktiven Workshop „Lessons learned“ von Martin Christian (DIE), Prof. Dr. Konrad Faber (VCRP), Dr. Susanne Friz (FWU) und Noreen Krause (TIB/twillo) stand der Austausch über Erfahrungen aus der OER-Praxis im Mittelpunkt – einschließlich Erfolgen, Herausforderungen und gescheiterten Projekten. Der Workshop bot Raum zur Diskussion zentraler Themen wie Anreizsysteme, Qualitätssicherung, rechtliche und technische Rahmenbedingungen sowie Nachnutzbarkeit und Interoperabilität. Auch aktuelle Entwicklungen, etwa KI-gestützte Lehr-Lern-Settings, wurden reflektiert. Das Ziel des Workshops war es, Orientierung zu schaffen und gemeinsame Perspektiven für die Weiterentwicklung einer offenen OER-Kultur zu entwickeln.
Meetup: „Gemeinsam durchstarten: OER-Sprints als kollaboratives Arbeitsformat“
Im Meet-up „Gemeinsam durchstarten: OER-Sprints als kollaboratives Arbeitsformat“ diskutierten Johannes Koch (Universität Osnabrück/twillo), Daniel Diekmann und PD Dr. Markus Deimann (ORCA.nrw) mit den Teilnehmenden über Gelingensbedingungen für OER-Sprints. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Lehrende in einem strukturierten, zeitlich begrenzten Prozess von der Idee bis zur fertigen OER begleitet werden können. Deutlich wurde: Damit Teilnehmende sich auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren können, braucht es verlässliche Unterstützung bei Organisation, Redaktion, Lizenzfragen, Veröffentlichung und Nachnutzbarkeit. Die Teilnehmenden brachten eigene Erfahrungen ein und diskutierten unterschiedliche Wege der Akquise. Ein Ansatz besteht darin, interessierte Personen zunächst anzusprechen, anschließend zusammenzubringen und daraus passende Themen zu entwickeln. Ein anderer Weg startet mit einem konkreten Thema oder einer identifizierten Lücke und sucht anschließend gezielt Lehrende, die dieses Thema gemeinsam bearbeiten möchten. Beide Ansätze bieten Chancen, stellen aber unterschiedliche Anforderungen an Matching, Motivation und Prozessgestaltung.
Meetup: „Qualität, Offenheit und KI – Neue Herausforderungen für offene Lehrmaterialien“
Das Meetup von Alexander Klein (Universität Tübingen/ZOERR) thematisierte die Sicherung didaktischer, wissenschaftlicher und lizenzrechtlicher Qualität von Lehrmaterialien im Kontext generativer KI. Diskutiert wurden Herausforderungen wie Transparenz, Urheberrecht und Nachvollziehbarkeit sowie die Anpassung bestehender Qualitätsstandards. Ziel war es, gemeinsam Strategien und Ansätze zu entwickeln, um Qualität und Offenheit KI-gestützter OER nachhaltig zu gewährleisten. In der Diskussion stand besonders der Begriff „Qualität“ im Fokus: Die Teilnehmenden diskutierten, wie Qualität bei teilweise KI-generierten Texten und Bildern überhaupt verlässlich geprüft und definiert werden kann. Dabei ging es auch um die Frage, wie Offenheit, wissenschaftliche Integrität und rechtliche Sicherheit zusammengebracht werden können.
Meetup: „Interaktivität und Individualisierung bei OER – Wie können wir das in Repositorien abbilden“
In diesem Meetup von Verena Zimper (Universität Tübingen/ZOERR) ging es um die zunehmenden Anforderungen an OER-Repositorien durch stark individualisierte und interaktive Lehr- und Lernmaterialien, etwa Selbstlernkurse oder begleitende Softwarelösungen. Im Mittelpunkt stand der Austausch darüber, wie diese Entwicklung wahrgenommen wird und welche technischen sowie organisatorischen Anpassungen dafür notwendig sind. Ziel war es, gemeinsame Perspektiven für den Umgang mit erweiterten Hosting- und Infrastrukturbedarfen zu entwickeln.
Meetup: „Souverän, offen, handlungsfähig? OER als Instrument digitaler Souveränität“
Im Meet-up „Souverän, offen, handlungsfähig? OER als Instrument digitaler Souveränität“ diskutierten Johannes Koch und Noreen Krause von twillo mit den Teilnehmenden über Handlungsspielräume, Grenzen und Mehrwerte von OER im Kontext digitaler Souveränität. Ausgangspunkt war die Frage, wie Hochschulen fundierte Entscheidungen über digitale Werkzeuge, Infrastrukturen und Bildungsinhalte treffen können – gestützt auf Kompetenz, Transparenz und Verantwortung. Deutlich wurde, dass das aktuelle Interesse an digitaler Souveränität maßgeblich durch gesellschaftliche und technologische Dynamiken geprägt ist und noch vor einigen Jahren weniger präsent war. OER können hier einen zentralen Beitrag leisten: Sie stärken die Kontrolle über Bildungsinhalte, fördern die Nachnutzbarkeit, setzen auf offene Standards und reduzieren Abhängigkeiten von proprietären Angeboten. Zugleich wurde betont, dass digitale Souveränität nicht den Verzicht auf etablierte, kommerzielle Tools bedeutet. Vielmehr erfordert sie die Schaffung von Redundanzen: Populäre Lösungen können weiterhin pragmatisch genutzt werden, sollten jedoch durch öffentlich zugängliche, möglichst unabhängige Plattformen und offene Werkzeuge ergänzt werden.
Pitches beim OE_Space Pitch-Event
Um innovative Ideen, starke Visionen und Infrastruktur-Lösungen für offene Bildung ging es beim Pitch-Event im Rahmen des Ideenwettbewerbs „OE_Space“. In kompakten Pitches wurde gezeigt, wie OER und offene Bildungspraktiken technisch besser vernetzt, zugänglicher und wirksamer gestaltet werden können. Aus 84 eingereichten Projektideen zu offenen Bildungsinfrastrukturen wurden 30 Ideen ausgewählt, die im Rahmen der Konferenz gepitcht wurden. Kolleginnen und Kollegen aus den KNOER-Mitgliedseinrichtungen waren beteiligt an den Pitches „KI-KONNEKTOER“ (VCRP), „OER-Kurspilot“ (ORCA.nrw), „OE-Tube“ (TIB) und „EXPLORE“ (ORCA.nrw).
Gemeinsames Projekt von VCRP und FWU MOERFI auf der OER im Blick 2026: Drei spannende Formate
MOERFI war auf der diesjährigen Konferenz mit drei Programmpunkten vertreten und nutzte das Format, um Zwischenergebnisse sichtbar zu machen, Community-Diskussionen anzustoßen und konkrete Bedarfe aus der Praxis zu sammeln.
Der MOERFI Stage Talk
Im Auftrag des BMBFSFJ moderierte Constanze Reder-Knerr (VCRP) gemeinsam mit Susanne Friz (FWU) und Jason Mansour (GWDG) vom HackathOERn die MOERFI Stakeholder-Stage unter dem Motto „HackathOERn und MOERFI geben die Bühne frei für die PraktikOERinnen und PraktikOER“. Neben der Vorstellung des aktuellen Erkenntnisstands bei MOERFI zeigten vier Praktiker:innen dort, was in ihren Projekten konkret entstanden ist: Matthias Kostrzewa für ePort4All, Steffen Rörtgen für edufeed und Lea Schulz für inklusiv.digital. Was den Talk auszeichnete: Alle vier arbeiten mit und in denselben Infrastrukturen – z. B. Moodle, H5P und offenen Editoren –, aber aus verschiedenen Richtungen, was einen produktiven Austausch ermöglichte. Was in den Projekten entsteht, sind längst keine Prototypen mehr, sondern funktionierende Lösungen, an denen alle teilhaben. Die Bausteine sind da. Jetzt kommt es darauf an, sie zusammenzusetzen.
Meetup: „Was läuft gut? Wo liegt das Problem? – Austausch über Bedarfe und Synergien von OER-Infrastrukturen“: Postkarten, Clustering, unbequeme Fragen
Im kleineren Format des Meet-ups M6 arbeiteten sieben Teilnehmende mit zwölf Postkarten an zentralen OER-Infrastrukturthemen. Das haptische Clustering – Karten wurden still auf dem Boden umher geschoben, ohne Absprache und je nach thematischem Zusammenhang – brachte implizites Wissen an die Oberfläche. Vier Erkenntnisse blieben:
Interoperabilität ist kein Technikprojekt, sondern ein Kooperationsprojekt. Genauso wichtig wie gemeinsame Standards: benennen, was sich nicht lösen lässt – und stattdessen einen neuen medialen Habitus fördern. Software- und Gerätewechsel sind in digitalisierten Lernabläufen schlicht normal.
Qualität ist individuell. Warum unterliegen OER strengen Qualitätsansprüchen, während Verlagsmaterialien oft vorbehaltlos übernommen werden? Lehrende müssen bestärkt werden, selbst eine Vorstellung von ihrer jeweils benötigten Qualität zu entwickeln.
Offenheit ist persönlich. Lernprozesse können intim sein – daher braucht Offenheit Safe Spaces und ein respektvolles Miteinander.
Community-Management ist schwierig, teils unmöglich – aber nötiger als je. Der größte Beratungsbedarf liegt bei juristischen Fragen und KI-Grundlagen, und der lässt sich nicht durch Newsletter abdecken.
Workshop: „HackathOERn x MOERFI: Orientierung im OER-Jungle – Von OER-Herausforderungen zu tragfähigen Lösungen – Infrastruktur, Praxis und Mapping zusammendenken“
Im gemeinsamen Workshop mit HackathOERn arbeiteten die Teilnehmenden an zwei konkreten Fragestellungen: Welche Indikatoren braucht es, um „gute“ OER zu identifizieren – und wie können OER-Infrastrukturen so sichtbar gemacht werden, dass Lehrende und Entscheidungstragende den Überblick gewinnen und behalten? Die Arbeit in Kleingruppen zeigte: Lösungen liegen oft nicht im Neubau, sondern im besseren Sichtbarmachen und Verknüpfen des Bestehenden.
Ausblick: 3. MOERFI Demo-Tag up and coming
Der 3. MOERFI Demo-Tag findet am 4. und 5. November 2026 im smartvillage Berlin-Neukölln statt – mit dem thematischen Fokus auf Use Cases, Lernende und die Zielgruppen der zweiten Reihe. Weitere Informationen unter: ogy.de/sugr
Ein Beitrag von Silvia Czerwinski, Yulia Loose und Johannes Koch.
Künstliche Intelligenz ist in der Hochschullehre längst Alltag. Sie beeinflusst, wie Materialien entstehen, wie Aufgaben gestellt werden, wie Studierende reflektieren und wie wir über Qualität sprechen. Besonders in der offenen Lehre stellt sich dabei eine zentrale Frage: Wie lässt sich KI so einsetzen, dass sie nicht nur effizient, sondern auch nachvollziehbar, rechtskonform, didaktisch sinnvoll und offen nachnutzbar ist?
Genau damit beschäftigt sich seit Mai 2025 das twillo–Netzwerk durch gezielte Treffen zu „KI in der offenen Lehre“. In bisher vier Terminen kamen regelmäßig Lehrende, Hochschuldidaktiker*innen und Mitarbeitende aus Serviceeinrichtungen zusammen, um Erfahrungen zu teilen, Tools auszuprobieren und offene Fragen gemeinsam weiterzudenken. Deutlich wurde dabei: KI in der Lehre ist weniger ein einzelnes Toolthema, sondern ein Anlass, grundlegend über Qualität, Offenheit, Verantwortung und Zusammenarbeit zu sprechen.
Vom Regelungsrahmen zur Handlungspraxis
Den Auftakt bildete im Mai 2025 das Treffen „KI in der Lehre – mit Perspektive auf OER und Offenheit“. Im Mittelpunkt stand zunächst die EU-KI-Verordnung und die Frage, welche Konsequenzen sich daraus für Hochschulen, Einrichtungen und Lehrende ergeben. Damit war der Rahmen gesetzt: Wenn Hochschulen KI-Kompetenzen fördern sollen, brauchen sie nicht nur technische Zugänge, sondern auch Räume für Austausch, Orientierung und gemeinsames Lernen.
Gerade für Open Educational Resources (OER), also offen lizenzierte Bildungsmaterialien, ist dieser Austausch zentral. KI kann Lehrende bei der Erstellung und Überarbeitung von Materialien unterstützen – etwa beim Formulieren von Aufgaben, bei der Sprachadaption oder bei der Strukturierung von Inhalten. Gleichzeitig entstehen neue Fragen: Welche Inhalte dürfen in KI-Systeme eingegeben werden? Wie transparent muss der KI-Einsatz gemacht werden? Und wie bleiben Materialien offen, nachvollziehbar und fachlich belastbar?
Schon im ersten Treffen wurde deutlich: Die Teilnehmenden erwarten keine einfachen Ja-/Nein-Antworten, sondern praxistaugliche Einschätzungen. In Gruppen wurden Perspektiven von Lehrenden, Studierenden, Finanzierung und Umsetzung zusammengebracht. Daraus entwickelte sich ein gemeinsames Verständnis: KI-Kompetenz in der Hochschule bedeutet, rechtliche, didaktische und organisatorische Aspekte systematisch miteinander zu verschränken.
Datenschutzfreundliche Infrastruktur als Grundlage
Im Oktober 2025 rückte dann die technische Infrastruktur stärker in den Fokus. Vorgestellt wurde „Chat AI“, ein datenschutzfreundlicher Chatbot der GWDG, der auf eigener Hardware betrieben wird und Angehörigen niedersächsischer Hochschulen den Zugang zu verschiedenen Sprachmodellen ermöglicht.
Für offene Lehre ist ein solches Angebot aus mehreren Gründen wichtig. Es senkt die Einstiegshürde für Lehrende, die KI erproben möchten, ohne sofort auf kommerzielle Einzellösungen angewiesen zu sein. Gleichzeitig macht es deutlich, dass digitale Souveränität immer auch eine Infrastrukturfrage ist: Wer KI sinnvoll in der Hochschullehre einsetzen möchte, braucht verlässliche, datenschutzfreundliche und institutionell anschlussfähige Lösungen.
Die praktische Erprobung im Netzwerktreffen zeigte zudem, wie stark System-Prompts, Modellauswahl und Anwendungskontext das Ergebnis prägen. Ein Prompt ist nicht nur eine technische Eingabe, sondern Ausdruck didaktischer Ziele, Qualitätsansprüche und Einsatzgrenzen. Genau hier entsteht eine Verbindung zu OER: Gut dokumentierte Prompts können selbst zu nachnutzbaren Materialien werden – wenn sie festgehalten, angepasst und offen geteilt werden.
Lehrpraxis zwischen Experiment und klarer Grenze
Im Januar 2026 standen drei konkrete Praxisbeispiele aus der Hochschullehre im Mittelpunkt. Lehrende berichteten, wie sie KI in der Planung, im Seminar, in Aufgabenformaten oder in Reflexionsphasen einsetzen – und an welchen Stellen sie sich bewusst dagegen entscheiden.
Die Szenarien reichten von der KI-Unterstützung bei der Erstellung eines Readers in einem Seminar zur Wissenschaftskommunikation über digital-asynchrone Aufgabenformate bis hin zu einem KI-basierten Reflexionsassistenten für mathematische Aufgaben. Besonders wertvoll war weniger die Präsentation „fertiger“ Lösungen als der Einblick in Lernwege, Abwägungen und Stolpersteine.
Deutlich wurde: KI verändert Lehrpraxis nicht automatisch. Sie wird dort produktiv, wo Lehrende sie in konkrete didaktische Szenarien einbetten – etwa indem sie Aufgabenstellungen anpassen, Reflexionsprozesse expliziter gestalten oder Studierende beim kritischen Umgang mit KI-Ergebnissen begleiten. Ebenso wichtig bleibt die bewusste Grenze: Nicht jeder Lehrschritt profitiert vom Einsatz eines Modells, und nicht jeder generierte Output verbessert Didaktik oder Lernerfahrung.
Für OER ergeben sich daraus neue Spielräume: Materialien können mit KI schneller variiert, sprachlich angepasst oder um zusätzliche Beispiele ergänzt werden. Gleichzeitig wächst der Bedarf an transparenter Dokumentation: Was wurde verändert? Welche Vorlagen und Quellen wurden genutzt? Welche didaktische Entscheidung steckt hinter einer Anpassung?
Qualitätscheck von OER: KI als Resonanzraum
Das vierte Netzwerktreffen im April 2026 hat diese Linien zusammengeführt. Im Zentrum stand die Frage, inwieweit KI die Qualität offener Bildungsmaterialien einschätzen und verbessern kann. Ausgangspunkt waren sieben Qualitätskriterien, die twillo für OER formuliert: fachliche Fundierung, Wiederverwendbarkeit, Anwendung und Transfer, Hilfestellung und Support, Motivation und Didaktik, Struktur sowie Design, Lesbarkeit und Barrierearmut.
Als Arbeitsgrundlage diente eine Promptvorlage, die ähnlich wie ein System-Prompt aufgebaut war. Die Teilnehmenden diskutierten diese Vorlage, ergänzten eigene Erfahrungen und brachten Beispiele aus der Praxis ein. Dabei konnten sie eigene Szenarien schildern und gemeinsam ausloten, inwiefern sich OER-Qualität mit Hilfe von KI überhaupt „einordnen“ lässt.
Die Diskussion machte deutlich: KI kann Hinweise geben, Muster sichtbar machen und Rückfragen formulieren. Sie kann aber keine fachliche, rechtliche oder didaktische Bewertung durch Menschen ersetzen – schon weil ihr immer die Beziehung zur konkreten Lerngruppe fehlt.
Gerade darin liegt ein wichtiger Befund: KI eignet sich als Resonanzraum für Materialentwicklung. Sie kann auf fehlende Kontextinformationen aufmerksam machen, Unklarheiten benennen oder Vorschläge zur besseren Nachnutzbarkeit liefern. Verlässlich werden solche Rückmeldungen allerdings erst, wenn Prompts präzise formuliert sind, Kriterien und Quellen transparent benannt werden und die Ergebnisse kritisch geprüft sowie mit der eigenen Zielgruppe abgeglichen werden.
Weiterdenken – gemeinsam
„Entscheidend bleibt, dass Menschen die Verantwortung behalten – und KI als das behandeln, was sie ist: ein mächtiges Werkzeug, aber kein autonom handelnder Akteur.“
Die bisherigen vier Netzwerktreffen zeigen: „KI in der offenen Lehre“ ist kein Projekt mit Enddatum, sondern ein fortlaufender Lernprozess. Es geht um Kompetenzen, Infrastruktur, konkrete Lehrpraxis und Qualitätsfragen – vor allem aber um Austausch. Lehrende und Serviceeinrichtungen brauchen Räume, in denen sie Erfahrungen teilen, Unsicherheiten offen ansprechen und gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln können.
Für OER steckt darin eine besondere Chance. Wenn KI nicht nur für schnelle Materialproduktion genutzt wird, sondern als Werkzeug zur reflektierten Weiterentwicklung offener Materialien, kann sie Offenheit stärken: durch bessere Nachnutzbarkeit, klarere Strukturen, mehr Varianten und neue Formen der Zusammenarbeit. Entscheidend bleibt, dass Menschen die Verantwortung behalten – und KI als das behandeln, was sie ist: ein mächtiges Werkzeug, aber kein autonom handelnder Akteur.
Möchten Sie mehr erfahren?
Die Netzwerktreffen sind nur ein Teil der Arbeit von twillo: Als OER-Portal und Kompetenzzentrum unterstützt twillo Lehrende seit 2020 dabei, offene Bildungsmaterialien zu finden, zu veröffentlichen und weiterzuentwickeln. Zum sechsten Geburtstag blickt twillo auf zentrale Meilensteine, aktuelle Schwerpunkte und die Entwicklung offener Hochschulbildung zurück – von Beratung und Bildungsangeboten über technische Infrastrukturen bis hin zu Community Building, KI und digitaler Souveränität. Mehr dazu im Blogbeitrag „Ein Hoch auf offene Bildung: twillo feiert sechsten Geburtstag!“.
Über die Verfasser*innen
Silvia Czerwinski ist Mitarbeiterin bei der TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und bei twillo für die Bereiche Community-Building und Support tätig.
Yulia Loose ist Volljuristin beim E-Learning Academic Network Niedersachsen (elan e.V.) und berät im Rahmen von twillo zu urheberrechtlichen und lizenzrechtlichen Fragestellungen rund um OER und KI.
Johannes Koch ist Mitarbeiter der Universität Osnabrück und bei twillo für die Bereiche Community-Building und Weiterbildung zu KI tätig.
Ein Beitrag von Funda Seyfeli-Özhizala, Mathias Stein und Klaus Wannemacher.
Stellen Sie sich vor: Eine Lehrkraft erstellt in einer Stunde ein komplett neu gestaltetes, barrierefreies und mehrsprachiges OER-Modul – mit Hilfe von KI-Anwendungen. Das klingt nach Science-Fiction? Nein, das ist bereits heute möglich. Doch eine neue Studie des OER-Verbunds twillo zeigt: Nur die wenigsten Hochschulen im deutschsprachigen Raum haben explizite Leitlinien für die KI-Nutzung im Bereich Open Education. Und nur eine Minderheit der befragten Lehrenden nutzt KI-Tools, um OER zu erstellen oder anzupassen – obwohl die meisten die Potenziale klar erkennen. Warum bleibt dieses transformative Potenzial so wenig erschlossen?
KI als Werkzeug für eine inklusivere Open Education – aber nur auf dem Papier
Die Ergebnisse der multiperspektivischen Erhebung zeigen: Die meisten befragten Hochschulakteur:innen – von OER-Expert:innen über Studiendekan:innen bis hin zu Vizepräsident:innen für Lehre – schreiben KI ein großes Potenzial zu. Besonders hervorgehoben werden die Möglichkeiten zur Anpassung von OER an unterschiedliche Lernbedürfnisse, zur Übersetzung in mehrere Sprachen und zur barrierefreien Aufbereitung komplexer Inhalte. Laut der Studie schreiben 62 Prozent der befragten Vizepräsident:innen für Lehre oder Studiendekan:innen KI großes Potenzial im OER-Bereich zu, beispielsweise bei der Erstellung und Aktualisierung offener Materialien oder bei dem Ziel, Bildung für benachteiligte Gruppen zugänglicher zu machen.
Potenzial einer kombinierten Nutzung von generativer KI und OER: Einschätzung nach Statusgruppe (eigene Grafik)
Doch die Vision bleibt noch weitgehend unverwirklicht. Die meisten KI-Anwendungen werden bislang nur für Textkorrekturen, Übersetzungen oder Bildgenerierung genutzt – also für eher technische, weniger für didaktisch anspruchsvolle Aufgaben. Fortschrittlichere Anwendungsfelder wie die KI-gestützte Personalisierung, adaptive Lernpfade oder auch nur die automatisierte Metadaten-Generierung sind in der Praxis noch kaum erschlossen. Das zeigt: Die positiven Grundannahmen übersetzen sich noch nicht in das Alltagshandeln von Lehrenden.
Fehlende Rahmenbedingungen: Warum KI in der OER-Praxis auf der Stelle tritt
Ein zentraler Grund für die Zurückhaltung liegt in der fehlenden strategischen Verankerung. Die wenigsten Hochschulen haben spezifische Richtlinien für die KI-Nutzung im OER-Bereich. Die meisten verweisen auf allgemeine KI-Richtlinien, die die besonderen Anforderungen von Open Education nicht berücksichtigen. Dies führt zu Unsicherheit: Wie lässt sich die Qualität KI-generierter OER sicherstellen? Wie ist die KI-Nutzung im OER-Kontext zu dokumentieren? Welche rechtlichen Aspekte sind bei der KI-Nutzung im OER-Bereich zu beachten?
Zusätzlich fehlt es an digital souveränen Infrastrukturen. Viele Hochschulen setzen auf kommerzielle KI-Tools wie ChatGPT oder Midjourney – mit Risiken für Datensicherheit und Urheberrechte. Die Studie zeigt: Im Rahmen von Expertenintverviews zeigte sich, dass viele Befragte rechtliche oder ethische Probleme bei der Nutzung externer KI-Systeme befürchten. Gleichzeitig gibt es kaum Unterstützung durch Hochschulen, um diese Risiken zu minimieren.
Kompetenzlücke: KI-Training fehlt – und das kostet Zeit und Motivation
Die Studie offenbart eine weitere Herausforderung: Ein überwältigender Schulungsbedarf. Obwohl die meisten Lehrenden die Vorteile von KI-Technologien erkennen, fühlt sich nur eine Minderheit ausreichend kompetent im Umgang mit KI-Tools. Viele wissen nicht, wie sie KI-Anwendungen sinnvoll in ihre OER-Entwicklung integrieren können – und fürchten zudem, Inhalte zu plagiieren oder anderweitige rechtliche Verstöße zu begehen.
Dabei gäbe es vielversprechende Möglichkeiten: OER-Plattformen könnten KI-gestützte Services – z. B. Chatbots für technische, didaktische oder organisatorische Beratung – bereitstellen oder eine an Standardvokabular orientierte automatisierte OER-Verschlagwortung einführen, die Lehrenden das Beschreiben offener Lehrmaterialien erleichtern. Doch benötigt die Implementierung solcher Innovationen Zeit. Begleitend bedarf es gezielter, praxisnaher Fortbildungen – nicht nur für IT-Expert:innen, sondern für alle, die OER entwickeln oder einsetzen –, um KI wirklich nutzbar zu machen.
Fazit: Möglichkeiten der KI-Nutzung im OER-Bereich systematisch erproben und auswerten
„Generative KI ist kein Ersatz für menschliche Kreativität und didaktische Kompetenzen – sondern ein Mittler, der die Arbeit mit OER wirksamer, inklusiver und nachhaltiger machen kann.“
Die Studie macht deutlich: Generative KI ist kein Ersatz für menschliche Kreativität und didaktische Kompetenzen, sondern ein Mittler, der die Arbeit mit OER wirksamer, inklusiver und nachhaltiger machen kann. Die Potenziale sind groß – besonders, weil OER-Module sich über viele Lehrveranstaltungen, Studiengänge, Hochschulen und Bundesländer hinweg nutzen lassen. Einmal erstellt, kann ein KI-optimiertes OER-Material mehrere Studierende erreichen – mit weniger Aufwand und im Idealfall höherer Qualität.
Doch diese Zukunft erfordert mehr als nur eine punktuelle, unsystematische Erprobung von KI bei der OER-Produktion. Sie braucht strategische Führung, klare Rahmenbedingungen, gezielte Fortbildungen und eine offene Kultur des Experimentierens. Die Hochschulen im deutschsprachigen Raum stehen an einem entscheidenden Punkt: Entweder sie nutzen generative KI, um Open Education wirklich bedarfsgerecht, offen und flexibel zu gestalten und werten die entsprechende Praxiserfahrungen gezielt aus – oder sie vergeben ergiebige Möglichkeiten zu einer weiteren Ausdifferenzierung des OER-Einsatzes.
Über die Verfasser*innen (Person, Funktion, Institution)
Funda Seyfeli-Özhizalan ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Geschäftsbereich Hochschulmanagement des HIS-Instituts für Hochschulentwicklung (HIS-HE) in Hannover.
Mathias Stein ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Geschäftsbereich Hochschulmanagement des HIS-Instituts für Hochschulentwicklung (HIS-HE).
Klaus Wannemacher ist Seniorberater und Projektleiter im Geschäftsbereich Hochschulmanagement von HIS-HE und twillo-Standortverantwortlicher (HIS-HE).
Am 17. November 2026 findet am DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt am Main die diesjährige KNOER-Tagung statt. Unter dem Titel „Digital Public Good unter Druck. Offene Bildungsinfrastrukturen als Fundament demokratischer Bildung“ nimmt die Tagung aktuelle Entwicklungen rund um offene Bildungsressourcen (OER), digitale Infrastrukturen und Fragen der digitalen Souveränität in den Blick.
Im Zentrum stehen die Herausforderungen und Perspektiven offener Bildungsinfrastrukturen im Spannungsfeld von Gemeinwohlorientierung, technologischer Entwicklung und wachsenden Abhängigkeiten von proprietären Plattformen. Gemeinsam mit Akteur*innen aus Hochschulen, Infrastruktur-Einrichtungen, Politik und Zivilgesellschaft möchten wir diskutieren, wie Bildungsinfrastrukturen als demokratisches Gemeingut gestaltet und nachhaltig gesichert werden können.
Neben Keynotes, Workshops und Diskussionsformaten bietet die Tagung Raum für Austausch, Vernetzung und die Entwicklung gemeinsamer Perspektiven.
Weitere Informationen sowie das detaillierte Programm folgen in Kürze.
Im Rahmen der Konferenz „#EduNext25: Digitalisierung und KI in der Hochschullehre“ an der Goethe-Universität Frankfurt hat HessenHub am 26.11.2025 erneut den OER-Preis für herausragende Open Educational Resources (OER) in Hessen vergeben. Als Kooperationspartner der Veranstaltung präsentierte der HessenHub seine aktuellen Projekte zur digitalen Hochschullehre und bot eine ideale Bühne für die prämierten Materialien.
Auszeichnung für Offenheit und Originalität
Der OER-Preis würdigt digitale Lernmedien, die frei zugänglich und unter offenen Lizenzen verfügbar sind. Sie ermöglichen es Lehrenden, Materialien flexibel zu nutzen, anzupassen und weiterzuentwickeln. Die Jury legte den Fokus dabei nicht auf perfekte Lernmedien, sondern auf die Originalität und Offenheit der Ressourcen. Ziel ist es, mit den ausgezeichneten Medien einen Kulturwandel an hessischen Hochschulen anzuregen.
Alle ausgezeichneten Beiträge sind über den OER-Späti, das OER-Referatorium des HessenHub, zugänglich.
Preisträger*innen 2025
Die Jury zeichnete in diesem Jahr vier Projekte aus (ohne Rangfolge):
Lesen im Zeitalter der Digitalität von Anastasia Keppler, Moritz Jörgens, Yannick Hahn, Sascha Schirrmacher, Sola Safi und Prof. Dr. Johannes Mayer (alle Goethe-Universität Frankfurt)
Logica Tactica von Ruben Gielisch (Technische Universität Darmstadt)
Virtual Reality in der Hochschullehre von Maraike Büst, Eva Dabrowski (beide Justus-Liebig-Universität Gießen) und Ramin Siegmund (Philipps-Universität Marburg)
Würdigung durch Landesminister Timon Gremmels
Die Preisverleihung wurde durch Prof. Dr. Yvonne Zimmermann (Gesamtprojektleitung HessenHub) eröffnet, die die Preisträger*innen offiziell bekanntgab.
Als prominenter Gratulant überreichte Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, persönliche Glückwünsche.
Bei der Verleihung wurde es dann „hessisch“: Die Preisträger*innen erhielten bunte OER-Löwen, während der Minister einen HessenHub-Bembel als Erinnerung überreicht bekam.
Jury und Preise
Die Jury setzte sich aus Expert*innen verschiedener hessischer Hochschulen zusammen, die die Einreichungen nach transparenten Qualitätskriterien bewerteten. Die prämierten Teams dürfen sich über fachbezogene Sachpreise freuen, die zur Weiterentwicklung ihrer zukünftigen OER-Projekte beitragen sollen.
Weitere Informationen
Alle prämierten Ressourcen sowie weiterführende Informationen finden Sie auf der Seite zum OER-Preis 2025.
v.l.n.r.: Minister Timon Gremmels, Ramin Siegmund, Paula Paschke, Sascha Schirrmacher, Ruben Gielisch, Prof. Dr. Yvonne Zimmermann; Foto: Robin Schmitz
ORCA.nrw-Tagung 2025 mit viel Austausch und Vernetzung
Reges Treiben herrschte am am 26. November 2025 im Veranstaltungszentrum an der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Zur vierten ORCA.nrw-Jahrestagung fanden gut 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Weg nach Bochum, um sich über aktuelle Entwicklungen rund um die Hochschulbildung auszutauschen. Das siebenstündige Programm bot dabei vielfältige Informations- und Vernetzungsmöglichkeiten. Ausgerichtet wurde die Tagung von ORCA.nrw sowie dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, gefördert wurde sie vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW).
Um Punkt Uhr eröffnete ORCA.nrw-Geschäftsführer PD Dr. Markus Deimann die Tagung und moderierte die Grußworte von Prof. Dr. Kornelia Freitag (Prorektorin für Lehre und Studium an der RUB), Dr. Henning Koch (Stifterverband) und Dr. Martin Jungwirth (Geschäftsführer der DH.NRW) an. Im Anschluss wurde es direkt inhaltlich: Unter dem Motto „Hochschullehre inspirierend und verbindend“ warteten insgesamt 26 Beiträge auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Besonders dabei: Die Hälfte der Beiträge stammte aus der Community.
PD Dr. Markus Deimann: „Als Landesportal für Studium und Lehre möchten wir mit Veranstaltungen wie der heutigen einen Ort zum Austausch und zur Vernetzung bieten. Wir freuen uns sehr, dass unsere Tagung auch in diesem Jahr großen Anklang gefunden hat. Unser Dank geht an alle Referentinnen und Referenten sowie den Stifterverband für die auch in diesem Jahr wieder hervorragende Zusammenarbeit.“
Offene Hochschullehre braucht engagierte Menschen, nachhaltige Plattformen und freie Bildungsmaterialien, um den offenen Zugang zu Wissen zu stärken und zu fördern. Seit 2011 würdigen die Open Education Awards for Excellence verliehen durch die Open Education Global (OEGlobal) weltweit herausragende Beiträge zur offenen Bildung. 2025 zählt das KNOER-Mitglied twillo, das Portal für Open Educational Resources (OER), zu den acht Preisträgern der Open Education Awards for Excellence in der Kategorie „Open Assets“.
Gruppenfoto vom Team Twillo mit zusätzlichen Gästen, z.B. vom ZOERR
Ein Portal, das durch den OER-Dschungel führt und begleitet
Als zentrales Portal für Open Educational Resources in Niedersachsen bietet twillo Hochschulen und Lehrenden eine Plattform, um offene Lehr- und Lernmaterialien (Open Educational Resources, OER) bereitzustellen, zu teilen und weiterzuentwickeln. Neben der Veröffentlichung und Kuratierung von OER bietet twillo zusätzlich umfangreiche Unterstützung: von rechtlicher Beratung über praxisnahe Workshops bis hin zu einer offenen digitalen Sprechstunde. Ziel ist es, offene Lehr- und Lehrmaterialien sichtbar, auffindbar und nachnutzbar zu machen.
Besondere Würdigung erhielt die Integration des Open Educational Resources Search Index (OERSI) in twillo. Dieser Suchindex macht über 90.000 offene Bildungsmaterialien aus aller Welt durchsuchbar. Der OERSI ist außerdem als Open-Source-Plugin frei verfügbar und kann in andere Portale eingebunden werden – ein wichtiger Schritt, um OER nachhaltig und international vernetzt nutzbar zu machen.
Die Auszeichnung in der Kategorie „Open Assets“ würdigt die Plattform selbst, aber auch die Community, die sie trägt. Das sind Lehrende, die ihre Materialien offen bereitstellen, Lernende, die OER aktiv nutzen, sowie das twillo-Team, das Offenheit in der Hochschullehre durch seine Arbeit vorantreibt.
Anerkennung für das engagierte twillo-team
„Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung als Anerkennung für die engagierte Arbeit des gesamten Teams. Sie motiviert uns, die Entwicklung von OER weiter zu unterstützen und die offene Hochschullehre nicht nur in Niedersachsen, sondern weltweit zu stärken“, erklärt Projektleiterin Noreen Krause.
Die TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften leitet das Projekt twillo, an dem außerdem die niedersächsischen Einrichtungen ELAN e. V., das HIS Institut für Hochschulentwicklung e. V. und die Universität Osnabrück beteiligt sind.
Seit 2012 bringt das OERcamp Menschen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zusammen, die sich mit offenen Bildungsressourcen (OER) und zeitgemäßer digitaler Bildung beschäftigen. Es ist ein Ort, an dem Lehrende, Forschende, Praktiker:innen und weitere Interessierte miteinander ins Gespräch kommen, Erfahrungen teilen und gemeinsam neue Ideen entwickeln – immer über institutionelle, fachliche und disziplinäre Grenzen hinweg.
Mit unterschiedlichen Formaten war KNOER gemeinsam mit seinen Mitgliedern beim OERcamp 2024 vertreten
Das diesjährige OERCamp fand vom 4. bis 6. September 2025 in der Hochschule Hannover bzw. der Multi Media BBS auf der Expo Plaza Hannover statt. Das bunte Programm umfasste dabei Formate wie Pre-Camp-Workshops, eine Community-Konsultation zum Thema „Open Educational Practices“, ein großes Barcamp und Praxis-Workshops. Wie immer bei einem OERCamp ging es bei diesem Veranstaltungsformat nicht nur um das Teilnehmen, sondern auch um das Teilgeben. So wurden viele Teile des OERCamps von den Teilnehmenden selbst organisiert. Auch die Mitglieder und Partner:innen des KNOER waren auf dem OERCamp vertreten und brachten sich mehrfach in Sessions und Workshops für die Sache der offenen Bildungsbewegung ein. In unterschiedlicher Besetzung stellten sie dabei die Themen KI-Hype und OER-Zukunft, Pain Points und Bedarfserhebung sowie länder-übergreifende OER-Infrastrukturen in den Fokus.
Highlight! Das KNOER Barcamp „OER Reloaded: Wie wir zwischen KI und Kooperation Offenheit wieder ins Spiel bringen“ als 1000. Session-Pitch gekürt
Konfetti und Applaus für die 1000. Sessionankündigung auf dem OERcamp Hannover | Christoph Nagel für OERcamp / Agentur J&K – Jöran & Konsorten unter CC BY 4.0
Bereits die Ankündigung war der Knaller: Als Constanze und Daniel von der virtuellen Geschäftsstelle die KNOER-Session OER Reloaded: Wie wir zwischen KI und Kooperation Offenheit wieder ins Spiel bringen ankündigten, knallten die Konfetti-Kanonen zur 1000. Sessionankündigung auf einen OERcamp. Gute Vorzeichen!
In der Session stellte sich das Kooperationsnetzwerk OER-förderliche Infrastrukturen und Dienste zunächst (KNOER) kurz vor: Ein Verbund mandatierter Landeseinrichtungen, der länderübergreifende OER-Infrastrukturen und -Dienste zusammenbringt und weiterentwickelt. Ziel des Netzwerks ist es, den Gedanken offener Bildungsressourcen voranzubringen, Kooperationen zu fördern und Synergien zu nutzen. Sichtbar wird dies unter anderem in einer jährlichen Jahrestagung, wo zuletzt im Juni in Berlin Synergien zwischen Open Education und Open Science beleuchtet und gemeinsame Handlungsfelder der beiden Bewegungen ausgelotet wurden.
Aktuell gehören dem Netzwerk unter anderem Einrichtungen wie eSalsa, Digital Learning Campus, twillo, Bildungsportal Sachsen, ORCA.nrw, VCRP, eTeach-Netzwerk Thüringen, HessenHub, ZOERR und MMKH an.
Anschließend diskutierten die Teilnehmenden vor allem die Frage, wie OER in Zeiten von KI und adaptivem Lehren/ Lernen neu verortet werden kann. Es kristallisierte sich heraus, dass OER als Begriff in Gremien und Fachkreisen zwar verständlich ist, in der Breitenkommunikation und Praxis jedoch an Sichtbarkeit verliert — nicht zuletzt durch die mediale und institutionelle Fokussierung auf KI. Gleichzeitig herrschte in der Runde Konsens darüber, dass KI nicht notwendigerweise im Widerspruch zu offenen Bildungsressourcen stehen muss: Je nach Einsatz kann KI ein Werkzeug, eine Chance oder ein Risiko für offene Bildung sein.
Konkrete Hürden, die mehrfach genannt wurden, sind fehlende Infrastrukturen, unklare Workflows für Produktion und Veröffentlichung sowie geringe institutionelle Anreize, Lehrmaterialien als OER bereitzustellen. Als mögliche Hebel wurden folgende Maßnahmen breit diskutiert: verbindliche Offenheitsanforderungen in Förderbedingungen, gemeinsame Qualitätskriterien, also Standards für OER, Zertifizierungsangebote (als Instrument zur Steigerung von Sichtbarkeit und Reputation) sowie die Idee bzw. der Wunsch von OER-Beauftragten in Institutionen — analog zu Datenschutz- oder Open-Science-Beauftragten.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage nach der Anschlussfähigkeit: OER sollten verstärkt in Curricula, in Aus- und Weiterbildung (inkl. Promovierende und Postdocs) sowie durch die Einbindung von Bibliotheken als aktive OER-Akteur*innen gedacht werden. Beispiele aus der Praxis, z. B. die ZOERR-Initiative zur Erstellung OER-basierter Materialien durch Nachwuchsforschende, wurden als vielversprechend gewertet. Ebenfalls empfohlen wurde, Offenheit bereits bei der Konzeption von Projekten und Ausschreibungen mitzudenken, um Nachhaltigkeit und Nachnutzbarkeit von Anfang an zu fördern.
Zum Begriffsdiskurs wurde eine eher pragmatische Haltung deutlich: Die exakte Terminologie (OER vs. OEP vs. „Offenheit“) ist für Fachdebatten zwar nützlich, sollte aber nicht davon ablenken, dass es vor allem um die praktische Umsetzung geht. Der Konsens lautete: Statt an begrifflichen Doktrinen festzuhalten, muss OER stärker ins Doing — in konkrete Produktionsprozesse, sinnvolle Infrastrukturen und in die Lehrpraxis — überführt werden. Wichtiger als die Betitelung ist stets das Machen.
Abschließend war festzustellen: OER hat Zukunft, wenn es gelingt, institutionelle Verankerung, klare Rahmenbedingungen und sichtbare Anerkennungs- bzw. Reputationswege (z. B. Zertifikate oder Anerkennung in Leistungsvereinbarungen) zu verbinden. Das KNOER-Netzwerk bietet hierfür einen wichtigen Rahmen, um länderübergreifend Wissen zu bündeln, Standards zu diskutieren und diesbezüglich Maßnahmen anzustoßen.
Barcamp Session: „Pain Points: Bedarfe und Lösungen für die Praxis“
In der von Noreen Krause (twillo), Dr. Susanne Fritz (FWU Institut für Film und Bild), Konrad Faber (VCRP) und Martin Christian (DIE) angebotenen Session „Pain Points: Bedarfe und Lösungen für die Praxis“ wurden bildungsbereichsübergreifend Bedarfe / Pain Points zu Infrastrukturen und OER von Lehrenden und Lernenden gesammelt. Im Mittelpunkt der Session stand dabei die Frage, welche Themen aus einer übergreifenden und strukturellen Perspektive im Kontext OER angegangen werden sollten. Zu den Themenfeldern gehörten beispielsweise Metadatenstandards und Interoperabilität, Anreize und Motivation, Kommunikation und Kollaboration, Unterstützung von KI, Kompetenzentwicklung OER/OEP und die Perspektive der Lernenden.
Praxis-Workshop: „OER-Bildungsinfrastrukturen sichtbar machen, mappen und vernetzen“ (MOERFI)
Im MOERFI-Workshop von Constanze Reder-Knerr (VCRP) und Dr. Susanne Fritz (FWU Institut für Film und Bild) trafen Praxis, Technik und bildungspolitische Perspektiven aufeinander, um vorhandene OER-Infrastrukturen (Portale, Editoren, Repositorien, Services) sichtbarer zu machen und konkrete Schritte hin zu einem nutzendenzentrierten OER-Cockpit zu entwickeln. Das vom Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz (VCRP) koordinierte und in Zusammenarbeit mit dem FWU durchgeführte Projekt verbindet Mapping-Arbeit mit Demonstrationen. Ziel des Projekts ist es, OER-Infrastrukturen wie Portale, Editoren oder Repositorien systematisch zu erfassen, auf der OER World Map sichtbar zu machen und miteinander zu vernetzen.
Der Workshop gliederte sich in eine kurze Projektvorstellung und thematische Arbeitsgruppen zu Plattformen & Perspektiven, Metadaten & Validierung, Formaten & Interoperabilität, Metriken & Monitoring sowie zur Vision des OER-Cockpits. Übergreifendes Ergebnis: Es gibt bereits viele Tools und Dienste, doch Sichtbarkeit, Standards und einfache Workflows fehlen. Besonders wichtig sind gut strukturierte Metadaten, offene Formate sowie medienbruchfreie Abläufe von der Erstellung bis zur Nutzung in Lernplattformen. Innerhalb der Gruppendiskussionen wurden auch verschiedene Visionen eines OER-Cockpits konkretisiert: ein zentraler Zugang, der Suche, Erstellung, Anpassung und Verbreitung von OER bündelt.
Als nächste Schritte wurden ein öffentliches Mapping der Infrastrukturen, ein Prototyp für einen dialogbasierten Metadatengenerator und ein erstes MVP-Cockpit mit Usability-Tests vereinbart. Langfristig könnte auch ein KI-gestützter „Rights-Checker“ (Automatisierung der Rechteprüfung von Bildern, Audio, Text) die Veröffentlichung von OER deutlich erleichtern.
Abschließend lässt sich festhalten: MOERFI kann durch das Mapping, den Demo-Tagen und einem etablierten Partnernetzwerk kurzfristig sichtbare Verbesserungen erzielen, die mittelfristig in ein interoperables OER-Ökosystem münden können. Technische Spezifikationen, rechtliche Klarheit und didaktische Anforderungen müssen dabei in medienbruchfreien, niedrigschwelligen Workflows zusammengeführt werden, damit Lehrende tatsächlich profitieren und Materialien nachhaltig nachgenutzt werden können.
Praxis-Workshop: „Wie gelingt der Aufbau länderübergreifender OER-Infrastrukturen?“
In diesem Praxis-Workshop von Noreen Krause (twillo) und David Stöllger (Universität Osnabrück) ging es um die Frage, was es braucht, damit OER-Infrastrukturen auch über Ländergrenzen hinweg geteilt, genutzt und weiterentwickelt werden können. Die Teilnehmenden stellten sich hier die Frage: Was braucht es für langfristige OER-Infrastrukturen? Eine wichtige Einsicht bestand auch darin, dass Offene Bildungsmaterialien und Bildungsformen und die notwendigen Infrastrukturen eng mit Demokratie verbunden sind. Offene Bildung löst nicht nur wichtige Grundbedürfnisse und -rechte der Demokratie ein, sondern kann Demokratie wiederum durch Offenheit und freien Zugang zu Bildung bestärken.
Zur Frage, wie man den Auf- und Ausbau von OER-Infrastrukturen angehen sollte, betonten die Teilnehmenden den Mittelweg in einer gewisser Anzahl unabhängiger OER-Portale. Einerseits kann der kooperative Wettbewerb zwischen OER-Portalen Innovation zu fördern, mit Dezentralität Strukturen absichern und Kompetenzen und Ansprechpartner:innen zu OER z.B. in verschiedenen Bundesländern erhalten und fördern. Gleichzeitig sollten, so die Diskussion, bestehende Infrastrukturen so vernetzt werden, dass Nutzende nahtlos Inhalte in verschiedenen Portalen finden, nachnutzen und zusammen erstellen können. Auch gerade mit Blick auf die zukünftige Finanzierung von OER-Infrastrukturen können Kooperationen z.B. auf Ebenen der Bundesländer einen wichtigen Beitrag leisten.
Darüber hinaus wurde durch die Heterogenität der Teilnehmenden bzgl. ihrer Tätigkeit in verschiedenen Bildungskontexten (Schule, Hochschule, Erwachsenen-, Berufs- und Weiterbildung) einerseits der Bedarf für Vernetzungen innerhalb aller dieser Bildungsbereiche und ggf. auch bildungsbereichsübergreifend deutlich. Andererseits stellten die Teilnehmenden auch die Vorreiterrolle der Akteur:innen und Initiativen im Hochschulbereich im Vergleich zu den anderen Bildungsbereichen heraus. So zeugen bundesweite Netzwerke (z.B. über Kooperationsnetzwerke wie KNOER) und bestehende länderübergreifende Kooperationen (wie zwischen ORCA.nrw und twillo) von signifikanten Fortschritten in der Vernetzung und Integration bestehender OER-Infrastrukturen.
Weitere Sessions mit Beteiligung von KNOER-Mitgliedern
PreCamp-Workshop: „KI und OER im Einsatz: OER vielseitig und rechtskonform mit KI aufwerten“
In diesem Workshop von Yulia Loose (ELAN e.V.), Johannes Koch (Universität Osnabrück) wurde der Frage nachgegangen, wie Künstliche Intelligenz die Erstellung und Nutzung von Open Educational Resources (OER) sinnvoll unterstützen kann. Präsentationsfolien: https://ogy.de/5qt9
Barcamp-Session: „Canva – Funktionen und rechtskonforme Einsatzmöglichkeiten in der Lehre“
In dieser Session, die von Britta Beutnagel (TIB) angeboten wurde, standen die wichtigsten Funktionen von Canva und die Frage, was aus rechtlicher Perspektive bei dessen Nutzung zu beachten ist, im Mittelpunkt. Session-Dokumentation: https://go.oercamp.de/hannover-2025/talk/CTK7H7/ Präsentationsfolien: https://ogy.de/5qt9
Barcamp-Session: „Wie gelingt ein OER-Sprint?“
Wie sich der Prozess eines OER-Sprints steuern lässt und welche Erfahrungen es hierzu bereits gibt, wurde in dieser Barcamp-Session von Gabi Fahrenkrog (TIB), Silvia Czerwinski (twillo) und Johannes Koch (twillo) diskutiert. Session-Dokumentation: https://go.oercamp.de/hannover-2025/talk/H7DVGA/
Barcamp-Session: „Alle 11 Sekunden … Warum sind Metadaten so toll?“
Warum sind Metadaten eigentlich so toll? Um Diese Fragen ging es in der Bar Camp-Session von Sabine Stummeyer (TIB) und David Stölger (Universität Osnabrück)Darüber wollen wir uns gern mit Euch austauschen. Session-Dokumentation: https://go.oercamp.de/hannover-2025/talk/AX9SU8/
Barcamp Session: „Perfect Match- Das Wikiversum für OER- und Bildungsprojekte“
In diesem Workshop von Gabi Fahrenkrog (TIB) wurde gemeinsam verschiedene Projekte und erkundet. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie man Wikiversity, Wikidata, Wikimedia Commons und andere Wikimedia-Projekte effektiv für deine Bildungsprojekte und Open Educational Resources (OER) nutzen kann. Session-Dokumentation: https://de.wikiversity.org/wiki/Kurs:PerfectMatch
Barcamp Session: „KiViPro – Ki unterstütze Lehr-Lern-Videoproduktion“
In dieser Barcamp-Session von Jens Kösters (TIB) und Hendrik Bunke (TIB) wurden das KiViPro Projekt vorgestellt und die Frage diskutiert , wie viel Sinn weitgehend statische Lernangebote zum extrem dynamischen Thema KI machen? Session-Dokumentation: https://go.oercamp.de/hannover-2025/talk/TRB3FJ/
Barcamp-Session: „Wie können Persistent Identifier OER unterstützen?“
Praxis-Workshop: OER in der Lehrgestaltung: Grundlagen und praktische Anwendungsfälle
Wie erstelle ich OER? Wo finde ich OER? Und wo bekomme ich Unterstützung im Erstellen von OER? Um Diese Fragen ging es im Praxis-Workshop von Malte Schweizer (Leibniz Universität Hannover), Noreen Krause (twillo) und David Stöllger (Universität Osnabrück). Schwerpunkte dabei waren rechtliche Grundlagen von OER; die Planung, Gestaltung und Durchführung offener, lerner:innenzentrierte Lehrveranstaltungen; die Planung und Erstellung eigener OER unter Verwendung fremder Inhalte sowie die Funktionen des OER-Portals twillo. Session-Dokumentation: https://go.oercamp.de/hannover-2025/talk/DWEVXD/ Präsentationsfolien: https://ogy.de/5qt9