Unter dem Motto „Welcome to the Jungle“ hat am 28. und 29. April 2026 in Köln die Statuskonferenz „OER im Blick“ stattgefunden. Im Mittelpunkt der Veranstaltung rund um die OER-Strategie standen Austausch und Vernetzung zu aktuellen Themen und Einblicke in die Projekte im Rahmen der OER-Strategie. Auch das KNOER und seine Mitgliedseinrichtungen waren in zahlreichen Formaten vertreten:

Workshop: „Lessons learned“

Im interaktiven Workshop „Lessons learned“ von Martin Christian (DIE), Prof. Dr. Konrad Faber (VCRP), Dr. Susanne Friz (FWU) und Noreen Krause (TIB/twillo) stand der Austausch über Erfahrungen aus der OER-Praxis im Mittelpunkt – einschließlich Erfolgen, Herausforderungen und gescheiterten Projekten. Der Workshop bot Raum zur Diskussion zentraler Themen wie Anreizsysteme, Qualitätssicherung, rechtliche und technische Rahmenbedingungen sowie Nachnutzbarkeit und Interoperabilität. Auch aktuelle Entwicklungen, etwa KI-gestützte Lehr-Lern-Settings, wurden reflektiert. Das Ziel des Workshops war es, Orientierung zu schaffen und gemeinsame Perspektiven für die Weiterentwicklung einer offenen OER-Kultur zu entwickeln.

Meetup: „Gemeinsam durchstarten: OER-Sprints als kollaboratives Arbeitsformat“

Im Meet-up „Gemeinsam durchstarten: OER-Sprints als kollaboratives Arbeitsformat“ diskutierten Johannes Koch (Universität Osnabrück/twillo), Daniel Diekmann und PD Dr. Markus Deimann (ORCA.nrw) mit den Teilnehmenden über Gelingensbedingungen für OER-Sprints. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Lehrende in einem strukturierten, zeitlich begrenzten Prozess von der Idee bis zur fertigen OER begleitet werden können. Deutlich wurde: Damit Teilnehmende sich auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren können, braucht es verlässliche Unterstützung bei Organisation, Redaktion, Lizenzfragen, Veröffentlichung und Nachnutzbarkeit. Die Teilnehmenden brachten eigene Erfahrungen ein und diskutierten unterschiedliche Wege der Akquise. Ein Ansatz besteht darin, interessierte Personen zunächst anzusprechen, anschließend zusammenzubringen und daraus passende Themen zu entwickeln. Ein anderer Weg startet mit einem konkreten Thema oder einer identifizierten Lücke und sucht anschließend gezielt Lehrende, die dieses Thema gemeinsam bearbeiten möchten. Beide Ansätze bieten Chancen, stellen aber unterschiedliche Anforderungen an Matching, Motivation und Prozessgestaltung.

Meetup: „Qualität, Offenheit und KI – Neue Herausforderungen für offene Lehrmaterialien“

Das Meetup von Alexander Klein (Universität Tübingen/ZOERR) thematisierte die Sicherung didaktischer, wissenschaftlicher und lizenzrechtlicher Qualität von Lehrmaterialien im Kontext generativer KI. Diskutiert wurden Herausforderungen wie Transparenz, Urheberrecht und Nachvollziehbarkeit sowie die Anpassung bestehender Qualitätsstandards. Ziel war es, gemeinsam Strategien und Ansätze zu entwickeln, um Qualität und Offenheit KI-gestützter OER nachhaltig zu gewährleisten. In der Diskussion stand besonders der Begriff „Qualität“ im Fokus: Die Teilnehmenden diskutierten, wie Qualität bei teilweise KI-generierten Texten und Bildern überhaupt verlässlich geprüft und definiert werden kann. Dabei ging es auch um die Frage, wie Offenheit, wissenschaftliche Integrität und rechtliche Sicherheit zusammengebracht werden können.

Meetup: „Interaktivität und Individualisierung bei OER – Wie können wir das in Repositorien abbilden“

In diesem Meetup von Verena Zimper (Universität Tübingen/ZOERR) ging es um die zunehmenden Anforderungen an OER-Repositorien durch stark individualisierte und interaktive Lehr- und Lernmaterialien, etwa Selbstlernkurse oder begleitende Softwarelösungen. Im Mittelpunkt stand der Austausch darüber, wie diese Entwicklung wahrgenommen wird und welche technischen sowie organisatorischen Anpassungen dafür notwendig sind. Ziel war es, gemeinsame Perspektiven für den Umgang mit erweiterten Hosting- und Infrastrukturbedarfen zu entwickeln.

Meetup: „Souverän, offen, handlungsfähig? OER als Instrument digitaler Souveränität“

Im Meet-up „Souverän, offen, handlungsfähig? OER als Instrument digitaler Souveränität“ diskutierten Johannes Koch und Noreen Krause von twillo mit den Teilnehmenden über Handlungsspielräume, Grenzen und Mehrwerte von OER im Kontext digitaler Souveränität. Ausgangspunkt war die Frage, wie Hochschulen fundierte Entscheidungen über digitale Werkzeuge, Infrastrukturen und Bildungsinhalte treffen können – gestützt auf Kompetenz, Transparenz und Verantwortung. Deutlich wurde, dass das aktuelle Interesse an digitaler Souveränität maßgeblich durch gesellschaftliche und technologische Dynamiken geprägt ist und noch vor einigen Jahren weniger präsent war. OER können hier einen zentralen Beitrag leisten: Sie stärken die Kontrolle über Bildungsinhalte, fördern die Nachnutzbarkeit, setzen auf offene Standards und reduzieren Abhängigkeiten von proprietären Angeboten. Zugleich wurde betont, dass digitale Souveränität nicht den Verzicht auf etablierte, kommerzielle Tools bedeutet. Vielmehr erfordert sie die Schaffung von Redundanzen: Populäre Lösungen können weiterhin pragmatisch genutzt werden, sollten jedoch durch öffentlich zugängliche, möglichst unabhängige Plattformen und offene Werkzeuge ergänzt werden.

Pitches beim OE_Space Pitch-Event

Um innovative Ideen, starke Visionen und Infrastruktur-Lösungen für offene Bildung ging es beim Pitch-Event im Rahmen des Ideenwettbewerbs „OE_Space“. In kompakten Pitches wurde gezeigt, wie OER und offene Bildungspraktiken technisch besser vernetzt, zugänglicher und wirksamer gestaltet werden können. Aus 84 eingereichten Projektideen zu offenen Bildungsinfrastrukturen wurden 30 Ideen ausgewählt, die im Rahmen der Konferenz gepitcht wurden. Kolleginnen und Kollegen aus den KNOER-Mitgliedseinrichtungen waren beteiligt an den Pitches „KI-KONNEKTOER“ (VCRP), „OER-Kurspilot“ (ORCA.nrw), „OE-Tube“ (TIB) und „EXPLORE“ (ORCA.nrw).

Gemeinsames Projekt von VCRP und FWU MOERFI auf der OER im Blick 2026: Drei spannende Formate

MOERFI war auf der diesjährigen Konferenz mit drei Programmpunkten vertreten und nutzte das Format, um Zwischenergebnisse sichtbar zu machen, Community-Diskussionen anzustoßen und konkrete Bedarfe aus der Praxis zu sammeln.

Der MOERFI Stage Talk

Im Auftrag des BMBFSFJ moderierte Constanze Reder-Knerr (VCRP) gemeinsam mit Susanne Friz (FWU) und Jason Mansour (GWDG) vom HackathOERn die MOERFI Stakeholder-Stage unter dem Motto „HackathOERn und MOERFI geben die Bühne frei für die PraktikOERinnen und PraktikOER“. Neben der Vorstellung des aktuellen Erkenntnisstands bei MOERFI zeigten vier Praktiker:innen dort, was in ihren Projekten konkret entstanden ist: Matthias Kostrzewa für ePort4All, Steffen Rörtgen für edufeed und Lea Schulz für inklusiv.digital. Was den Talk auszeichnete: Alle vier arbeiten mit und in denselben Infrastrukturen – z. B. Moodle, H5P und offenen Editoren –, aber aus verschiedenen Richtungen, was einen produktiven Austausch ermöglichte. Was in den Projekten entsteht, sind längst keine Prototypen mehr, sondern funktionierende Lösungen, an denen alle teilhaben. Die Bausteine sind da. Jetzt kommt es darauf an, sie zusammenzusetzen.

Meetup: „Was läuft gut? Wo liegt das Problem? – Austausch über Bedarfe und Synergien von OER-Infrastrukturen“: Postkarten, Clustering, unbequeme Fragen

Im kleineren Format des Meet-ups M6 arbeiteten sieben Teilnehmende mit zwölf Postkarten an zentralen OER-Infrastrukturthemen. Das haptische Clustering – Karten wurden still auf dem Boden umher geschoben, ohne Absprache und je nach thematischem Zusammenhang – brachte implizites Wissen an die Oberfläche. Vier Erkenntnisse blieben:

  • Interoperabilität ist kein Technikprojekt, sondern ein Kooperationsprojekt. Genauso wichtig wie gemeinsame Standards: benennen, was sich nicht lösen lässt – und stattdessen einen neuen medialen Habitus fördern. Software- und Gerätewechsel sind in digitalisierten Lernabläufen schlicht normal.
  • Qualität ist individuell. Warum unterliegen OER strengen Qualitätsansprüchen, während Verlagsmaterialien oft vorbehaltlos übernommen werden? Lehrende müssen bestärkt werden, selbst eine Vorstellung von ihrer jeweils benötigten Qualität zu entwickeln.
  • Offenheit ist persönlich. Lernprozesse können intim sein – daher braucht Offenheit Safe Spaces und ein respektvolles Miteinander.
  • Community-Management ist schwierig, teils unmöglich – aber nötiger als je. Der größte Beratungsbedarf liegt bei juristischen Fragen und KI-Grundlagen, und der lässt sich nicht durch Newsletter abdecken.
Workshop: „HackathOERn x MOERFI: Orientierung im OER-Jungle – Von OER-Herausforderungen zu tragfähigen Lösungen – Infrastruktur, Praxis und Mapping zusammendenken“

Im gemeinsamen Workshop mit HackathOERn arbeiteten die Teilnehmenden an zwei konkreten Fragestellungen: Welche Indikatoren braucht es, um „gute“ OER zu identifizieren – und wie können OER-Infrastrukturen so sichtbar gemacht werden, dass Lehrende und Entscheidungstragende den Überblick gewinnen und behalten? Die Arbeit in Kleingruppen zeigte: Lösungen liegen oft nicht im Neubau, sondern im besseren Sichtbarmachen und Verknüpfen des Bestehenden.

Ausblick: 3. MOERFI Demo-Tag up and coming

Der 3. MOERFI Demo-Tag findet am 4. und 5. November 2026 im smartvillage Berlin-Neukölln statt – mit dem thematischen Fokus auf Use Cases, Lernende und die Zielgruppen der zweiten Reihe. Weitere Informationen unter: ogy.de/sugr